Entgegen der landläufigen Meinung ist die Waldarbeit keine "gesunde Tätigkeit in frischer Luft", sondern zumeist physisch schwere Arbeit verbunden mit einer Vielzahl möglicher arbeitsbedingter Gefährdungen unter oft schwierigen Umgebungs- bzw. Ausführungsbedingungen.
Etwa die Hälfte der Waldarbeiter geht aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand. Das Durchschnittsalter bei Ruhestandsantritt beträgt in dieser Berufsgruppe 54 Jahre. Als Gründe für das vorzeitige Ausscheiden stehen an erster Stelle mit 89 % Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, an zweiter Stelle folgen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, an dritter Stelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 40 % der Frühinvaliden litt an Lärmschwerhörigkeit und rund 45% mußten wegen der Spätfolgen eines Arbeitsunfalles vorzeitig aus dem Beruf scheiden /ANTES, 1997/.
Im Jahr 1999 ereigneten sich zwei Drittel der Arbeitsunfälle bei Waldarbeitern bei der Holzernte! Wie die Abbildung zeigt, ist das Risiko der Waldarbeiter, einen Unfall zu erleiden, etwa fünf mal so hoch wie im sonstigen Forstbereich.

Abb. 1: Unfallgeschehen in der Staatlichen Forstverwaltung des Freistaates Sachsen (Quelle: Unfallbericht 2000 der sächsischen Landesforstverwaltung)
Ziel der Schwerpunktaktion war die Ermittlung des Standes des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in der Holz- und Forstwirtschaft im Freistaat Sachsen. Dabei sollten Organisationsformen der Arbeit und des Arbeitsschutzes, Ausführungsbedingungen, Maschinen und Anlagen, typische Tätigkeiten bzw. technologische Abläufe, beginnend beim Holzeinschlag bis hin zum Abtransport des Holzes aus dem Wald sowie beim Entladen des Holzes im Sägewerk, betrachtet werden. Im Vordergrund der Aktion stand auf Grund der besonderen Gefährdungssituation der Holzeinschlag, wobei ein Augenmerk auch den spezifischen Arbeitsbedingungen des Holzeinschlages im Winter galt.
Weiter sollten sowohl die Verantwortungsträger als auch die Beschäftigten in den Holz- und Forstunternehmen hinsichtlich Arbeits- und Gesundheitsschutz sensibilisiert werden. Das hieß Defizite aufzuzeigen, Möglichkeiten der Abhilfe anzubieten und gegebenenfalls Maßnahmen zu fordern. Auch sollte untersucht werden, inwieweit ergonomische Anforderungen der Gestaltung der Tätigkeit vor Ort bekannt sind und Empfehlungen abgegeben werden, wie die Belastungen insbesondere des Stütz- und Bewegungsapparates minimiert werden können.
2. Vorbereitung und Durchführung
Die Schwerpunktaktion, an der alle Staatlichen Gewerbeaufsichtsämter des Freistaates Sachsens teilnahmen, wurde im Zeitraum von August 2000 bis April 2001 durchgeführt.
Die Vorbereitung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Fachreferat des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und der Landesforstverwaltung. Im Vorfeld fand in der Fortbildungsstätte der Forstverwaltung in Grillenburg eine Beratung zu den Zielen und zur Durchführung der Schwerpunktaktion statt, an der Vertreter des zuständigen Fachreferates des SMWA und des SMUL, des SLIAA, des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Zwickau, der Forstdirektionen sowie die für die Forstämter bestellte Fachkraft für Arbeitssicherheit teilnahmen. Die konstruktive Mitwirkung der Beteiligten ermöglichte eine schnelle und einheitliche Abstimmung über das Ausmaß und den Inhalt der Aktion und eine fundierte Vorbereitung der an ihr beteiligten Mitarbeiter.
Im August 2000 wurde in der Maschinenstation Crottendorf der Forstverwaltung eine Fachdienstberatung zur praktischen Einführung in die Aktion durchgeführt. Die dort Beschäftigten gaben, ergänzt durch die speziellen Ausführungen der Fachkraft für Arbeitssicherheit, einen Einblick in die Organisation der Forstverwaltung, ihre Aufgaben, Arbeitsmethoden und Arbeitsbedingungen. Außerdem wurden die in der Holzernte und Holzrückung verwendeten typischen Maschinen im Einsatz vorgeführt.
In der Vorbereitungsphase gab es auch Informationsgespräche mit den zuständigen UVTR, die erhaltenen Hinweise wurden bei der Gestaltung der Checklisten und bei den Revisionen berücksichtigt.
Die Schwerpunktaktion umfasste die Bereiche
- Holzernte
Kontrollschwerpunkt war auf Grund des hohen Unfallrisikos die Holzernte.
Neben der Erfassung von allgemeinen Fragen zur Organisation der Betriebe, wie Art des Unternehmens, Anzahl der Beschäftigten, Stand der Arbeitssicherheitsorganisation etc., wurden auch die spezifischen Arbeitsschutz-Belange, die typischerweise in den verschiedenen Unternehmensarten anzutreffen sind, kontrolliert und bewertet. Das SLIAA erarbeitete hierzu die erforderlichen allgemeinen und spezifischen Checklisten (siehe Punkt 8).
Die Revisionen wurden den Unternehmen in der Regel vorher angekündigt. Die Forstdirektionen waren vom SMUL vor Beginn der Schwerpunktaktion über die Durchführung und die Zielstellung informiert worden.
Das SLIAA führte auf Anforderung der GAÄ unterstützend Untersuchungen zur Arbeitsschwere durch (siehe Punkt 3.3) und zum medizinischen Arbeitsschutz (siehe Punkt 3.4) durch.
Im Januar 2001 wurde durch das SLIAA eine Fortbildungsveranstaltung "Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Forstwirtschaft" mit dem Schwerpunkt Belastungen/ Beanspruchungen des Stütz- und Bewegungsapparates durchgeführt. Als Referent konnte Herr Dr. med. Augusta von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft Thüringen gewonnen werden, der auf Grund seiner langjährigen, praktischen Erfahrungen zahlreiche Fachinformationen zu Tätigkeitsabläufen, multifaktoriellen Belastungen, aber auch detaillierte Hinweise zu den Belastungsfaktoren Lärm, Vibrationen und Motorsägenabgase geben konnte.