Dr. Otto Kaufmann, Dr. Hannelore Döhler, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit
Berufsbedingte Erkrankungen bei Pflegepersonal
Jährlich erkranken in Sachsen ca. 30 im pflegerischen Bereich beschäftigte Personen durch die Ausübung ihrer Tätigkeit. Für viele hat das die Aufgabe ihres Berufes und den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge. Dabei wäre dies häufig bei Beachtung vorbeugender Schutzmaßnahmen und hygienischer Vorschriften vermeidbar gewesen.
Personen mit pflegenden Berufen werden nicht nur zur Betreuung bei Krankheit und Entbindung benötigt. Bedingt durch die erhöhte Lebenserwartung der Bevölkerung gewinnt die Altenpflege an Bedeutung.
Das Pflegepersonal ist bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben selbst zum Teil hohen körperlichen Belastungen und gesundheitlichen Gefährdungen ausgesetzt, woraus auch berufsbedingte Erkrankungen resultieren.
Bei den Pflegeberufen treten berufsbedingt hauptsächlich drei verschiedene Erkrankungen auf:
In den beiden folgenden Abbildungen wird für die Erkrankungsfälle der letzten 10 Jahre in Sachsen dargestellt, wie groß der Anteil der o.g. Erkrankungen ist und wie sich die Gesamtzahl entwickelt hat.
Ca. 65% der Erkrankungen betreffen die Haut, 25% sind Infektionen, 5% Atemwegserkrankungen durch allergisierende Stoffe und 5% übrige. Die Tendenz der Erkrankungsfälle ist rückläufig mit etwa 30 berufsbedingten Erkrankungsfällen beim Pflegepersonal in den letzten Jahren.
Die gesundheitlichen Belastungen und Risiken sind in verschiedenen Bereichen der Pflege unterschiedlich. Es werden die folgenden Gruppen betrachtet:
Bei den berufsbedingten Hauterkrankungen spielen besonders Feuchtarbeiten und Kontakte zu Desinfektionsmitteln eine Rolle. Die Dauer der Tätigkeit bis zum erstmaligen Auftreten berufsbedingter Hautveränderungen ist in den Berufgruppen unterschiedlich. Bei den Krankenpflegehelfern und den Altenpflegern liegen die Dauern bei 4 Jahren, bei den Krankenschwestern dagegen bei 8,5 Jahren. Kürzere Dauern sind ein Hinweis auf eine höhere Belastung. Dies wird als Hinweis auf eine höhere Hautbelastung gewertet, da diese Beschäftigten viele Tätigkeiten der Grundpflege (z.B. Körperpflege) und zusätzlich bestimmte Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten auszuführen haben.
Bei den Infektionskrankheiten spielen besonders Hepatitiden, Tuberkulose und die Krätze eine Rolle. Hepatitis A und B sind jedoch vermeidbar, wenn rechtzeitig die entsprechenden Impfungen durchgeführt werden und anschließend der Immunstatus regelmäßig überprüft wird. Die Übertragung der Krätzmilbe kann durch Einhaltung hygienischer Normen vermieden werden. In den ersten Jahren nach Aufnahme der Tätigkeit wurden erhöhte Erkrankungszahlen beobachtet. Das verdeutlicht, dass besonders bei den Berufsanfängern Unwissenheit oder auch Nachlässigkeit eine Rolle spielt.
Atemwegserkrankungen durch allergisierende Stoffe sind bei den Pflegeberufen von geringerer Bedeutung. Sie entstanden in den vergangenen Jahren überwiegend durch Kontakt zu Latexpartikeln aus gepuderten Latexhandschuhen. Da das Tragen dieser Handschuhe nicht mehr erlaubt ist, sind die Erkrankungen stark rückläufig.
Abschließend kann festgestellt werden, dass berufsbedingte Erkrankungen im Pflegebereich durch präventive Maßnahmen reduziert werden können. Dazu zählen die regelmäßige Anwendung geeigneter Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemittel, Impfungen im Rahmen der Arbeitsmedizinischen Vorsorge gemäß Biostoffverordnung und die konsequente Umsetzung der erforderlichen Hygieneregimes.
Zum vollständigen Bericht "Berufskrankheiten bei den pflegenden Berufen Sachsen"