Dipl.-Ing. Bernhard Müller, Gewerbeaufsichtsamt Dresden
Druckbehälter mit beschädigter Wandung - Kontrolle hat Schlimmeres verhindert
(Aus dem Jahresbericht der Gewerbeaufsicht des Freistaates Sachsen 2003)
Das Gewerbeaufsichtsamt Dresden kontrollierte im Jahr 2003 gemeinsam mit dem TÜV Bayern Hessen Sachsen Südwest e.V. technische Anlagen in einem Umspannwerk. Bei der Festigkeitsprüfung eines Druckbehälters wurde eine undichte Stelle festgestellt. Der Druckbehälter mit dem Baujahr 1993, einem Volumen von 1000 l und einem zulässigen Betriebsdruck von 15 bar versagte bei einem Prüfdruck von nur 17 bar. Im Bereich eines Behälterfußes trat bei der Wasserdruckprüfung Wasser aus. Bis zur Prüfung war der Behälter ohne Beanstandungen im Einsatz.
Bei näherer Betrachtung wurde sichtbar, dass schon vor der Prüfung ein feiner Riss vorhanden gewesen sein muss. Ein geringer Ölaustritt war erkennbar. Die entstandenen Druckluftverluste konnten aber durch die Kompressoren kompensiert werden, ohne dass dies für den Betreiber spürbar wurde. Als Ursache für das Versagen der Wandung kommen vor allem die Vibrationen durch die beiden auf dem Behälter montierten Doppelkolbenkompressoren in Verbindung mit der festen Verschraubung des Behälters auf dem Untergrund infrage. Dadurch konnte es im Bereich der Füße zur Werkstoffermüdung kommen.
Die in der Regel übliche, wenn auch teurere Aufstellung des Behälters (mit aufmontierten Kompressoren) auf Schwingungsdämpfern hätte den Schaden mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern können. Der nun erforderliche Aufwand für die Reparatur oder den Ersatz des Behälters ist mit Sicherheit höher.
Vom Betreiber wurde nach Eintritt des Schadensfalls unverzüglich die Stilllegung des Behälters veranlasst.
Dieses - wenn auch recht seltene - Ereignis zeigt, dass die Festigkeitsprüfung von Druckbehältern sowie die Einhaltung der festgelegten Prüffristen auch heute noch zwingend erforderlich sind. Beim Weiterbetrieb wäre ein Bersten des Behälters mit erheblichen Sach- und Personenschäden möglich gewesen.
Abb 1: Gesamtansicht des Druckgerätes
Abb 2: Ansicht des entstandenen Risses mit Wasseraustritt und Ölspuren